Landtagswahlprogramm 2017 

 

Beschluss des Landesparteitages am 19. und 20. November 2016 in Neuss

 

 

Einleitung

 

Wir sehen es täglich auf dem Weg zur Arbeit: marode Straßen, gesperrte Brücken, kilometerlanger Stau. Unsere Kinder sehen es: baufällige Toiletten in ihrer Schule, Lücken im Stundenplan. Unsere Betriebe sehen es: immer höhere bürokratische Anforderungen und Dokumentationspflichten. Und wir können es an den offiziellen Zahlen sehen: Egal ob Wirtschaftswachstum, Bildungsqualität, Investitionen oder Arbeitslosigkeit – überall ist unser Land hinten. Nie stand NRW im Vergleich zu den anderen Bundesländern so schlecht da wie heute. Für jeden Einzelnen heißt das: gestohlene Lebenszeit und weniger Chancen. 

 

Uns ist das nicht egal. Uns sind die Menschen in NRW nicht egal. Wir finden: NRW ist ein starkes Land. Aber es wird seit Jahren schwach regiert. Wir wollen das ändern. 

 

Wir glauben: Jeder Einzelne hat das Recht darauf, seinen Traum zu verwirklichen. Und das Recht auf eine

Landesregierung, die dabei unterstützt, statt Steine in den Weg zu legen. Uns geht es nicht darum, an der Wahlurne aus Angst vor Veränderungen Kapital zu schlagen. Uns geht es darum, Mut zu machen und dafür zu sorgen, dass Mut sich auszahlt. Denn wir wissen: Jeder Einzelne hat es in der Hand: Veränderung, Chancen, Aufbruch. So kann NRW wieder in Bewegung kommen – und zum Spitzenreiter werden. 

 

Klingt nach Zukunftsmusik? Ist ambitioniert? Sicher. Aber es ist Zeit, dass wir endlich die Herausforderungen anpacken und politisch den richtigen Rahmen setzen. Es geht um unser Land. Und so wollen wir es verbessern:

 

Es geht um weltbeste Bildung. 

 

Wir wollen, dass in NRW künftig die beste Bildung der Welt vermittelt wird – und man am Zustand unserer

Schulen wieder die Wertschätzung ablesen kann, die wir unseren Kindern entgegen bringen. Wir dürfen uns nicht mit weniger zufrieden geben. Und das brauchen wir auch nicht. 

 

Es muss schon mit Kitas als qualitativ hochwertigsten Bildungsstätten anfangen. Die in der Betreuung und bei den Öffnungszeiten endlich so flexibel sind wie die Berufswelt der Eltern. Wenn Schüler nach ihrem Talent und nicht nach ihrer Herkunft gefördert werden. Bestmöglich und individuell. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die Ausbildung und den Freiraum erhalten, dass sie Spitzenleistung bringen können. Wenn wir aus jeder Schulform das Beste rausholen, anstatt etwa das Gymnasium immer weiter zu schwächen. Und wenn Wissenschaft und Bildung ein Maximum an Freiheit genießen.

 

Vier Kernmaßnahmen für weltbeste Bildung: 

 

  1. Gestaltungsfreiheit für Schulen durch ein Schulfreiheitsgesetz. Die einzelne Schule weiß selbst am besten, was für ihre Schüler gut ist. Entscheidungen über Organisation, Finanzen, Pädagogik und nicht zuletzt über personelle Gestaltung sollten Schulen deshalb künftig selbst treffen können. Das umfasst für uns auch die Frage, ob das Abitur nach acht oder neun Jahren erreicht wird (G8/G9).
  2. Bildung ist nationale Kernaufgabe. Der Bund koordiniert und unterstützt künftig finanziell stärker als bisher. Statt 16 unterschiedlicher Systeme der Bundesländer brauchen wir einen Wettbewerb der einzelnen Bildungseinrichtungen um die besten Ideen. 
  3. Talent-Schulen überwinden soziale Nachteile

Wir wollen dreißig exzellente Top-Gymnasien mit modernster Pädagogik und bester Ausstattung dahin bringen, wo sie am Dringendsten benötigt werden und maximalen Effekt erzielen: In kinderreiche Stadtteile mit den größten sozialen Herausforderungen.

  1. Praxis-Lehrer sorgen für neue Impulse

Persönlichkeiten aus Forschung und Wirtschaft sollen künftig ehrenamtlich oder auf Zeit den Unterricht bereichern. So wird auch die gesellschaftliche Verantwortung für die Bildung unserer Kinder konkret.

 

Es geht um eine starke Wirtschaft. 

 

NRW war einmal das wirtschaftliche Herz Deutschlands. Und das soll es auch wieder werden. Zu lange wurden Steuern und Abgaben angehoben, neue Bürokratie geschaffen und die Möglichkeiten für wirtschaftliche Entwicklung beschnitten. Startups, das Handwerk, der Mittelstand und die Industrie – sie alle sollen wieder durchstarten können. Denn Wirtschaft ist Gesellschaft. Wirtschaft schafft Wachstum. Und sie ist kein Selbstzweck: Denn in einer wachsenden Gesellschaft gelingt jedem sozialer Aufstieg leichter. Unsere Ziele: NRW wird das Gründerland Nr. 1. Und bleibt das Energieland Nr. 1.

 

Drei Kernmaßnahmen für eine starke Wirtschaft: 

 

  1. Politikwechsel für Wachstum. Wir wollen eine wirtschaftsfreundliche Landesentwicklung – und überflüssige Standards und bürokratische Hürden, die über die Praxis anderer Bundesländer hinausgehen, abschaffen.
  2. Moderne Energiepolitik. Umweltverträglich, bezahlbar und sicher. Darauf sollen sich Bürgerinnen und Bürger, Handwerk, Mittelstand und Industrie verlassen können. Die Förderung effizienter Technologien etwa durch Forschung und europäischen Emissionshandel schafft die Zukunftsfähigkeit, die die bloße Subventionierung einzelner Energieträger im deutschen oder NRW-Alleingang nicht erreicht.
  3. Bürokratiefreies Jahr. In der kritischen Start-Phase sollen Gründer sich ganz auf ihr Unternehmen konzentrieren können. Daher gilt: minimale Hürden, maximaler Gestaltungsspielraum. Zudem brauchen wir finanzielle Starthilfe für Gründer: Wir wollen Gründern besseren Zugang zum Kapital schaffen. Sie sollen Mittel zur Verfügung haben, um ihre Ideen verwirklichen zu können.

 

Es geht um den digitalen Alltag. 

 

Die Digitalisierung schafft neue Chancen und Möglichkeiten. Wir wollen, dass die Menschen in NRW davon profitieren können. Wir sind überzeugt: Neue Geschäftsmodelle wie zum Beispiel Mitfahrdienstleister, Übernachtungsvermittler oder Portale zur gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen können unser Leben verbessern. Damit Innovationen nicht an veralteten Regeln scheitern und ein fairer Wettbewerb für neue wie etablierte Unternehmen gleichermaßen besteht, müssen wir unser Regelwerk modernisieren. Unsere Aufgabe ist: Die Soziale Marktwirtschaft und die Menschen fit zu machen für die neuen Möglichkeiten.

 

NRW soll Vorreiter werden für innovative Technologien. Selbstfahrende Autos, modernste Telemedizin oder digitales Lernen sollen weltweit mit unserem Land verbunden werden. 

 

Drei Kernmaßnahmen für den Digitalen Alltag. 

 

  1. Internet ist Chefsache. Ein leistungsstarkes Breitbandnetz ist unabdingbar für die Anforderungen einer digitalen Gesellschaft. Der Auf- und Ausbau dieser Infrastruktur ist essentiell. Fragen rund um die digitale Transformation sollen gebündelt in einem Ministerium und einem Landtagsausschuss vorangetrieben werden.
  2. Digitale Verwaltung. Offene W-LAN-Zugänge in Landeseinrichtungen sollen selbstverständlich sein. Ebenso wie ein Bürgeramt, in dem man alles von zu Hause erledigen kann. Einfache, lebensnahe und digitale Dienstleistungen für alle Belange von Bürgerinnen und Bürgern. Damit vermeiden wir: lange Wartezeiten, unbesetzte Schalter und in Folge verschenkte Lebenszeit. 
  3. Schubkraft für neue Ideen. Wer forscht und entwickelt, der muss unterstützt werden. Etwa durch steuerlicher Anreize. Das kommt mittel- und langfristig allen Bürgerinnen und Bürgern zu Gute. 

 

Es geht um solide Finanzen. 

 

Junge Generationen sollen reich an Chancen sein, nicht an Hypotheken. Die Politik hat genug Geld – die Steuereinnahmen sind auf Rekordniveau. Sorgen wir dafür, dass sie effizient eingesetzt werden. Wir wollen einen Staat, der rechnen kann. Und der keine Schulden macht.

 

Drei Kernmaßnahmen für solide Finanzen.

 

  1. Alles auf den Prüfstand. Öffentliche Ausgaben, Subventionen, Programme und Staatsbetriebe werden auf ihre Wirksamkeit geprüft. 
  2. Schulden machen wird bestraft. Wir wollen, dass in der Landesverfassung ein Schuldenverbot verankert und dieses mit einem klaren Sanktionsmechanismus ergänzt wird.
  3. Finanziellen Spielraum für Bürgerinnen und Bürger. Die Hebel sind da: Abmilderung der kalten Progression und ein Auslaufen des Solidaritätszuschlags sind nur zwei Beispiele. Vor allem wollen wir jungen Familien erleichtern, eine Immobilie zu erwerben. Möglich macht das ein Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer in Höhe von 500.000 Euro für das Eigenheim.  

 

Es geht um sicheres Zusammenleben. 

 

Sicherheit ist ein elementares Grundbedürfnis. Die Bürgerinnen und Bürger wollen sich zu jeder Zeit und in jedem Winkel unseres Landes darauf verlassen können, dass der Rechtsstaat funktioniert. Ohne, dass sie groß darüber nachdenken müssen

 

Drei Kernmaßnahmen für sicheres Zusammenleben.

 

  1. Mehr Polizei. Wir wollen dafür sorgen, dass die Polizei in NRW ihre Arbeit bestmöglich machen kann und sich auf das Wesentliche konzentriert: Zum Beispiel Einbrecherbanden jagen statt Blitzermarathons zu veranstalten. Durch wirksam aufgestellte Polizeibehörden mit zeitgemäßer Ausstattung und mehr Personal.
  2. Richtige Schwerpunkte. NRW ist Salafisten-Hochburg. Es kann nicht sein, dass in unserem Land Terroristen rekrutiert werden. Dagegen müssen wir mit allen Mitteln des Rechtstaats vorgehen, zum Beispiel durch gezielte Überwachung von bekannten Gefährdern.
  3. Starke Bürgerrechte. Der Rechtsstaat wird nicht verteidigt, wenn wir zu gläsernen Bürgern werden. Wir sind gegen die anlasslose und massenhafte Überwachung und wir wollen dem Einzelnen die Möglichkeit geben, vor dem Landesverfassungsgericht gegen die Verletzung seiner Rechte klagen zu können. Durch ein NRW-Datenschutzsiegel wollen wir die Datenschutzstandards in Unternehmen verbessern.

 

Es geht um Mobilität. 

 

Bewegung ist ein Grundbedürfnis unserer Gesellschaft. Mehr denn je und kaum irgendwo stärker ausgeprägt als in NRW, dem Pendlerland Nr. 1. Unsere Prämisse ist ganz einfach: Jeder soll zügig und unkompliziert an sein Ziel kommen. Egal, mit welchem Verkehrsmittel, Hauptsache ohne Stau. 

 

Drei Kernmaßnahmen für mehr Bewegung.

 

  1. Vorhandene Mittel nutzen. Wir wollen durch schnellere Planung effizient und wirkungsvoll endlich alle Gelder in NRW nutzen, die ohnehin zur Verfügung stehen aus Bundesmitteln.
  2. Zukunft auf den Weg bringen. Investitionen in Landesstraßen sind dringend notwendig. Wir räumen ihnen Priorität ein und sichern dauerhaft die Leistungsfähigkeit des Wirtschafts- und Ballungsraums Nordrhein-Westfalen.
  3. Mobilität der Zukunft – made in NRW. Innovative Instrumente können Verkehrsströme optimieren und unsere Sicherheit erhöhen. Im Austausch mit Wissenschaft, Entwicklung und Unternehmen wollen wir NRW zum führenden Standort der Mobilität 4.0 machen

 

Es geht um eine freie Gesellschaft.  

 

In NRW leben Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft zusammen. Wir wollen diese Vielfalt schützen. In einem liberalen Miteinander, geprägt von gegenseitigem Respekt und Anerkennung. Wir wollen NRW nicht nur zum Treiber des technologischen sondern auch des gesellschaftlichen Fortschritts machen.

 

Drei Kernmaßnahmen für eine freie Gesellschaft.

 

  1. Modernes Einwanderungsgesetz. Unser Land braucht endlich ein Einwanderungsgesetz, das zwischen zeitweiligem humanitären Schutz für Flüchtlinge und dauerhafter Einwanderung von Talenten unterscheidet. Damit wollen wir Weltoffenheit und Rechtstaatlichkeit stärken und Transparenz für gesteuerte Einwanderung schaffen. Durch klare Regeln zur Integration und ihrer Durchsetzung wollen wir gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.
  2. Frischer Wind. Überholte Vorschriften, etwa bei der Ladenöffnung an Sonntagen oder beim Namensrecht, wollen wir liberalisieren.
  3. Denken an morgen. Wir wollen Kinder und Jugendliche stärker an der Politik beteiligen. In einer älter werdenden Gesellschaft dürfen die Interessen der Enkel-Generation nicht vernachlässigt werden. 

 

Kurzum: Wir wollen NRW zum modernsten Land Deutschlands machen. Damit wir nicht mehr so oft im Stau stehen. Damit unsere Kinder auf Schulen gehen, auf die wir selbst gerne wieder gehen würden. Damit jeder Mensch an jedem Ort in NRW sicher ist. Damit wir Behördengänge schnell und einfach online erledigen können. Damit NRW Gründer- und Breitbandland Nummer 1 wird. 

 

Sorgen wir am 14. Mai 2017 dafür, dass NRW seine Chancen wieder nutzen kann. Es geht um unser Land.

 

 

Wir wollen ein NRW, das Chancen für alle durch weltbeste Bildung bietet

 

Frühkindliche Bildung

 

Wir wollen beste Bildung für alle – von Anfang an. Von guter frühkindlicher Bildung profitieren alle Kinder und deren Familien. Studien zeigen, dass hier der größte Hebel für Bildungserfolg und Chancengerechtigkeit liegt. Viele Eltern wünschen sich aber mehr Qualität bei der frühkindlichen Bildung, flexiblere Öffnungszeiten in den Kindertagesstätten und ein vielfältigeres Betreuungsangebot für ihre Kinder. Außerdem brauchen wir in vielen Kommunen mehr Betreuungsplätze insbesondere für Kinder unter drei Jahre. Mit einem bedarfsgerechten Ausbau des Bildungs- und Betreuungsangebotes wollen wir die Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit verbessern.

 

  • Wir wollen eine Qualitätsoffensive für Kindertageseinrichtungen und die Kindertagespflege auf den Weg bringen. Durch bessere Rahmenbedingungen, eine bessere Ausstattung der Einrichtungen, bessere Betreuungsrelationen und mehr Flexibilität wollen wir die frühkindliche Bildung stärken. Wir wollen die chronische Unterfinanzierung bekämpfen und mehr Qualität durch eine bessere finanzielle Ausstattung (indexbasierte, also an Kostensteigerungen orientierte Pauschalen pro Kind („Kindpauschale“)) erreichen.
  • Die Betreuungs- und Öffnungszeiten müssen sich nach den Wünschen der Eltern richten und zur heutigen beruflichen Realität passen. Dazu sind flexible Betreuungszeiten bis hin zur 24-Stunden-Kita bei Schicht- und Nachtarbeit sowie verstärkte Profilbildungen nötig.
  • Kindertageseinrichtungen sind Orte des Spielens und der Selbstentfaltung. Kinder lernen und entdecken ihre Kreativität spielend und können dabei individuell gefördert werden. Das altersgerechte Spielen soll als Aufgabe der Kindertageseinrichtungen im Kinderbildungsgesetz verankert werden.
  • Wir wollen auch den Bildungscharakter unserer Kindertagesstätten stärken und dafür die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher weiterentwickeln. Kernpunkt ist eine duale Ausbildung mit angemessener Vergütung. Außerdem sollen Fachkräfte aus der Logopädik, Ergotherapeutik sowie an Hochschulen ausgebildete Kindheitspädagoginnen und -pädagogen stärker in den Kitas eingesetzt werden. 
  • Sprache ist der Schlüssel für Bildungserfolg: Unabhängig von der Betreuungsform wollen wir allen Kindern mit Sprachdefiziten frühzeitig eine qualitativ hochwertige Sprachförderung bieten.
  • Wir wollen den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz mit Leben füllen: Die Eltern sollen frei darüber entscheiden können, ob ihr Kind in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege betreut wird.
  • Die Zahl der Betreuungsplätze muss sich mit dem Betreuungsbedarf der Eltern decken. Sowohl U3- als auch Ü3-Plätze müssen ausgebaut werden.
  • Langfristig streben wir beitragsfreie Kindergärten an, die Verbesserung der Betreuungsqualität hat für uns jedoch eindeutig Priorität. Zur Entlastung der Eltern sollen bis zur Umsetzung einer allgemeinen Elternbeitragsfreiheit landesweit nach Einkommen gestaffelte, faire Höchstgrenzen für Elternbeiträge gelten.
  • Wir wollen die Finanzierung der Kindertagespflege sichern. Analog zum Pauschalensystem zur Finanzierung der Kindertageseinrichtungen sollen künftig Land und Kommunen durch Einführung dynamisierter und ausreichender Pauschalen pro Kind auch für die Finanzierung der Kindertagespflege gemeinsam aufkommen. 
  • Die unterjährige Aufnahme eines Kindes in einer Kita sowie die Betreuung in einer Nachbarkommune müssen erheblich vereinfacht werden.
  • Wir wollen die Angebotsvielfalt bei den Kitas erhöhen. Auch gewerbliche und private Träger sowie Betriebskindergärten sollen staatliche Förderung erhalten, wenn sie die Qualitätsstandards einhalten. 
  • Tageseltern sollen ihre Kapazitäten und Möglichkeiten optimal nutzen können: Wie bisher sollen nur maximal fünf Kinder gleichzeitig betreut werden dürfen. Die Höchstgrenze von acht Betreuungsverträgen ist jedoch verzichtbar. 
  • Wir wollen, dass Eltern besser unterstützt werden. Dafür benötigen wir Bildungsangebote wie Elternkurse, die beständig weiterentwickelt werden.

 

Schule

 

Unser Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen in den besten Schulen der Welt unterrichtet werden. Wir wissen: Das Ziel ist ambitioniert. Wir halten es aber für erforderlich. Würden wir uns heute mit mittelmäßiger Bildung zufrieden geben, so würde es für die Schülerinnen und Schüler morgen auch ein Leben in Mittelmaß bedeuten.

 

Wir wollen, dass jeder, unabhängig von Einkommen und Herkunft der Eltern, bestmöglich und individuell gefördert wird, damit jeder einen erfolgreichen Lebensweg einschlagen und sich seine Wünsche und Träume erfüllen kann. Unser Anspruch an die Leistungsfähigkeit der Schulen ist hoch, weil auch die Herausforderungen, denen sich junge Menschen im (Berufs-) Leben stellen müssen, kontinuierlich wachsen. Dazu gehört etwa eine immer höhere Erwartung an das Erlernen von Fremdsprachen, von mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Fächern ebenso wie der kompetente Umgang mit digitalen Medien. 

 

Eine umfassende Modernisierung unserer Schulen kommt einem „Mondfahrtprojekt“ gleich. Wir brauchen die am besten ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer, motivierte Eltern, technisch gut ausgestattete Schulen, mehr Autonomie für die Schulen vor Ort und exzellente Leuchtturmprojekte, die auf die Qualitätsentwicklung aller Schulen eine positive Wirkung entfalten. 

 

Diese Modernisierung wird einige Zeit in Anspruch nehmen und muss in Schritten erfolgen. Umso wichtiger ist, dass wir beginnen. Damit der schulischen Bildung ab sofort eine noch höhere politische Priorität eingeräumt wird ist unverzichtbar, dass mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden und auch der Bund stärker in die finanzielle und koordinierende Verantwortung genommen wird.

 

Für das „Mondfahrtprojekt“ beste Bildung wollen wir neue Wege gehen 

  • Wir wollen, dass die Schulen vor Ort stärker eigenverantwortlich handeln können, weil mehr Freiheit und Autonomie auch zu mehr Kreativität, Motivation und Bildungsqualität beitragen. Mit einem Schulfreiheitsgesetz wollen wir den Schulen mehr organisatorische, finanzielle, pädagogische und personelle Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Dies wollen wir mit den Schulen Schritt für Schritt in die Wege leiten: Auf freiwilliger Basis soll es den Schulen viel stärker ermöglicht werden, eigenständig ihre pädagogischen Konzepte, ihr Personal und ihr Budget zu verantworten. 
  • Mit einem Flickenteppich aus 16 Schulsystemen in den verschiedenen Bundesländern sind wir international nicht mehr konkurrenzfähig. Unsere Schülerinnen und Schüler stehen nicht mehr nur im Wettbewerb mit jungen Menschen aus anderen Bundesländern, sondern mit gut ausgebildeten Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Welt. Bildung ist für uns eine nationale Kernaufgabe. Bund und Länder sollen deshalb in der Schulpolitik besser zusammenarbeiten. Den Bund wollen wir dabei stärker in die finanzielle und koordinierende Verantwortung nehmen. Dazu wollen wir das Grundgesetz ändern und mehr Bundesmittel für die Modernisierung der Schulen zur Verfügung stellen.
  • Dabei muss die Qualität des Unterrichts gesichert und eine bessere bundesweite Vergleichbarkeit der Schulen hergestellt werden. Wir wollen nicht länger einen Wettbewerb der 16 Bildungssysteme der Bundesländer, sondern einen Wettbewerb der einzelnen Bildungseinrichtungen um die besten Ideen. Erforderlich sind gemeinsame Bildungsstandards, bundeseinheitliche Abschlussprüfungen und eine transparente Evaluation der einzelnen Schulen. Die Ergebnisse der Qualitätsanalyse und der Lernstandserhebungen sollen durch die Schulen im Internet veröffentlicht werden.
  • Schulen bieten nicht nur Unterricht – sie sollen sich zu einem Bildungszentrum in ihrem Sozialraum weiterentwickeln. Neben den Lehrerinnen und Lehrern sollen auch verstärkt Eltern, Vereine und Betriebe in den schulischen und außerschulischen Bildungsalltag einbezogen werden, damit Bildung, Weiterbildung und lebenslanges Lernen in der Gesellschaft eine höhere Bedeutung erlangen können. Dazu schlagen wir etwa vor, dass die Schulen vermehrt Persönlichkeiten aus der beruflichen und akademischen Praxis in den Unterricht einbeziehen können. Schülerinnen und Schülern sollen damit neue Perspektiven auf den Lernstoff und Einblicke ins Berufsleben vermittelt werden, die sie im klassischen Schulunterricht nicht erhalten. Wir wollen daher unbürokratisch ergänzende Möglichkeiten etwa für den ehrenamtlichen Einsatz oder temporäre Beschäftigung von so genannten Praxis-Lehrern schaffen.

Auch den dauerhaften und pädagogisch begleiteten Seiteneinstieg in den Lehrberuf sowie das Anwerben geeigneter ausländischer Lehrkräfte wollen wir stärker fördern.

  • Wir schlagen vor, in den kinderreichsten Stadtteilen des Landes mit den größten sozialen Herausforderungen 30 Top-Gymnasien mit der modernsten Pädagogik, der besten personellen Ausstattung und der modernsten digitalen Infrastruktur zu errichten. In diesen Stadtteilen soll die individuelle Förderung von Kindern bereits in den Kindergärten und Grundschulen in besonderer Weise, insbesondere mit hoch qualifiziertem und zusätzlichem Personal, gefördert werden. In der Grundschule soll eine systematische Förderung von Talenten erfolgen, die sich für den Besuch dieser so genannten Talent-Schulen qualifizieren können. 
  • Damit wollen wir erreichen, dass mehr Kinder aus finanziell schwierigeren Verhältnissen schulische und berufliche Erfolge erzielen können. Mit den größtenteils naturwissenschaftlich-technisch orientierten Talent-Schulen in den Stadteilen mit besonderem sozialem Erneuerungsbedarf wollen wir eine neue Form der Integration ermöglichen und heutige Abwanderungsprozesse vom Kopf auf die Füße stellen: Leistungsstarke Kinder aus wohlhabenderen Familien treffen auf leistungsstarke ärmere Kinder. Die Errichtung der Talent-Schulen soll in einem landesweiten Wettbewerb ausgeschrieben werden, an dem sich Konsortien aus Kommunen, freien Trägern, der Wirtschaft und den regionalen Schulen beteiligen können.

 

Beste Bildung im digitalen Klassenzimmer 4.0

  • Alle Kinder und Jugendliche sollen durch die Schule frühzeitig und kompetent zu einer souveränen und verantwortungsvollen Nutzung digitaler Medien befähigt werden sowie Grundlagen der Informatik und des Programmierens vermittelt bekommen. Gleichfalls wollen wir die Lehr- und Lernmethoden im schulischen Alltag durch den Einsatz digitaler Bildungsmedien modernisieren. 
  • Es muss sichergestellt werden, dass jede Schule über eine schnelle Internetverbindung, ein leistungsfähiges W-LAN-Netz sowie über interaktive Smartboards, Laptops und Tablets verfügt, die im schulischen Alltag eingesetzt werden. Digitales Lehren und digitales Lernen müssen feste Bestandteile aller Schulen und aller Schulfächer sowie der Lehreraus- und -fortbildung werden. 
  • Alle Schulen sollen ein digitales Medienkonzept in den Schulalltag integrieren. Auch der Fachunterricht in Informatik muss ausgeweitet werden. 
  • Zur Ausstattung der naturwissenschaftlich-technischen Fachräume (MINT) und der IT-Infrastruktur an den Schulen sollen Bund und Länder ein gemeinsames Sonderprogramm auflegen.

 

Starke Schulen brauchen starke Lehrer 

  • Voraussetzung für weltbeste Bildung ist, dass der Unterricht tatsächlich stattfindet. Wir fordern deshalb eine Unterrichts-Garantie für alle Schulen. Dazu benötigen wir auch eine schulscharfe Erfassung des Unterrichtsausfalls und eine transparente Definition von entfallendem Unterricht. Damit in Zukunft keine Stunde mehr ausfällt, wollen wir den Schulen in einem ersten Schritt eine mindestens 105prozentige, mittelfristig eine 108-prozentige Lehrerversorgung als Vertretungs- und Gestaltungsreserve zur Verfügung stellen. 
  • Mehr Bildungsqualität ist insbesondere durch eine bessere Schüler-Lehrer-Relation zu erreichen. Wir wollen die Klassengrößen in allen Schulformen schrittweise reduzieren. 
  • Weltbeste Bildung braucht weltbeste Lehrer. Daher setzen wir auf ein „AAA“– Programm für die besten Pädagogen: Anreiz, Auswahl und Ausbildung. All das muss stimmen, um die richtigen Lehrer zu gewinnen. Anwerbung, Ablauf der beruflichen Karriere und Bezahlung müssen dazu grundlegend neu geregelt werden.
  • Die Fortbildung für Lehrkräfte muss deutlich ausgebaut werden. Insbesondere für die Umsetzung der Inklusion, zur Sprachförderung und für den Umgang mit digitalen Medien fordern wir ein FortbildungsSonderprogramm des Landes, um Lehrkräfte bestmöglich zu unterstützen und sie für Gegenwart und Zukunft fit zu machen.
  • Wir fordern die Weiterentwicklung des Lehramtsstudiums, um im Studium neben der Vermittlung von theoretischen Grundlagen auch vermehrt den Bezug zur Praxis der Lehrertätigkeit herzustellen. Die Vermittlung didaktischer und pädagogischer Fähigkeiten muss mehr in den Vordergrund des Lehramtsstudiums gerückt werden.
  • Wir wollen dafür sorgen, dass sich die Pädagoginnen und Pädagogen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können: Das Unterrichten und Erziehen junger Menschen. Wir wollen die Lehrkräfte von überbordenden Dokumentationspflichten entlasten und schlagen darüber hinaus vor, Schulleitungen und Lehrkräfte zukünftig verstärkt durch Schulverwaltungsassistenzen zu unterstützen, die ihnen bei organisatorischen Verwaltungsaufgaben zur Seite stehen. Lehrkräfte sollen sich bestmöglich auf die Förderung der Schülerinnen und Schüler konzentrieren können statt Zeit für reine Verwaltungsaufgaben zu verwenden. Gerade die Leitung von Grundschulen muss von sachfremden Aufgaben entlastet werden. Dafür muss auch an kleineren Schulen ein vollwertiges Sekretariat vorhanden sein. 
  • Wir wollen, dass jeder Schule die Unterstützung durch Sozialpädagoginnen und -pädagogen ermöglicht und langfristig gesichert wird. Multiprofessionelle Teams aus Schulsozialarbeit und Schulpsychologie vernetzen sich mit der Jugendhilfe und sind als Ansprechpartner für alle Schülerinnen und Schüler Hilfeinstanz. Dabei unterstützen sie die Umsetzung der Inklusion und die Betreuung, Förderung und Integration etwa von Flüchtlingskindern. 
  • Für eine erfolgreiche und zügige Integration von Flüchtlingskindern müssen für Schulen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten sichergestellt werden, so zum Beispiel auch übergangsweise die Bildung externer Klassen, in denen Kinder und Jugendliche etwa ohne ausreichende Deutschkenntnisse bestmöglich auf den Unterricht in Regelklassen vorbereitet werden. 

 

Für ein vielfältiges und faires Bildungssystem

  • Einzelne Schulformen dürfen nicht länger diskriminiert werden. Mit Grundschulen, Förderschulen, Sekundarschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Berufs- und Weiterbildungskollegs verfügt NRW über ein vielfältiges Schulangebot. Wir wollen diese Vielfalt erhalten, die Qualität steigern und die Wahlfreiheit der Eltern sichern. Diese Vielfalt ermöglicht Kindern und Jugendlichen, die für sie individuell bestmögliche Schullaufbahn mit vielfältigen Abschluss- und Anschlussmöglichkeiten zu durchlaufen. Dazu muss eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Schulformen gewährleistet sein. An allen Schulformen müssen hohe Leistungsstandards gesichert werden. Leistungsnivellierung und einen schleichenden Weg zur leistungslosen Schule lehnen wir ab. Realschulen und Gymnasien müssen erhalten bleiben. 
  • Bei allen Überlegungen zu G8 und G9 muss die Qualität gymnasialer Bildung im Zentrum stehen. Wir wollen alle Gymnasien qualitativ, personell, und organisatorisch besser unterstützen. Die gezielte Vernachlässigung der Gymnasien durch SPD und Grüne ist wichtiger Beweggrund für die vielfältige Kritik an G8. Der verkürzte gymnasiale Bildungsgang (G8) wird aber auch von manchen Schülerinnen und Schülern sowie von Eltern als Belastung empfunden, weil bestmögliche Rahmenbedingungen für eine individuelle Förderung von der Landesregierung bisher nicht zufriedenstellend umgesetzt wurden. Einige Familien beklagen einen Zeitmangel etwa für Freizeit oder außerschulische Aktivitäten. Diese Sorgen der Familien nehmen wir ernst.
  • Viele Gymnasien haben in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um G8 bestmöglich umzusetzen. Diejenigen Gymnasien, die G8 fortsetzen wollen, müssen diesen Weg mit bestmöglichen Rahmenbedingungen und fairer Unterstützung durch das Land weiter gehen können. Deshalb lehnen wir einen Zwang zur Rückkehr aller Gymnasien zu G9 entschieden ab.
  • Wir wollen aber sicherstellen, dass in dieser Frage auch regionale Gegebenheiten sowie die verschiedenen Bedürfnisse und Wünsche vor Ort berücksichtigt werden können. Deshalb wollen wir den Gymnasien vor Ort ermöglichen, selbst zu entscheiden, ob sie ihr Angebot vom bisher achtjährigen (G8) auf einen neunjährigen Bildungsgang (G9) bis zum Abitur umstellen oder auch um einen solchen ergänzen. Eine derart gestärkte Autonomie für die Schulen unterstützt auch den Gedanken eines liberalen Schulfreiheitsgesetzes. 
  • Wir wollen einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz für alle Schulformen einführen. Gleichzeitig wollen wir dafür sorgen, dass die Qualität der Ganztagsschulen angehoben wird, etwa durch Festlegen verbindlicher Qualitätsstandards für eine bessere sächliche und personelle Ausstattung. Uns ist jedoch wichtig, dass Wahlmöglichkeiten der Eltern für einen Besuch ihrer Kinder auf Halbtagsschulen erhalten bleiben. Daher wollen wir den Ganztag auch bedarfsgerecht flexibilisieren.
  • Einem qualitativ hochwertigen Unterricht an Grundschulen kommt für die weitere Schullaufbahn der

Kinder eine zentrale Rolle zu. Gerade an Grundschulen sind die Rahmenbedingungen gegenwärtig vollkommen ungenügend. NRW zählt zu den Bundesländern mit den geringsten Investitionen in die Grundschulen. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen und die entsprechenden Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten sind für die Lehrkräfte unattraktiv. Das wollen wir ändern. Genauso wie an anderen Schulformen müssen die Anstrengungen bei der Besetzung von Leitungspositionen durch finanzielle Anreize und Entlastung von Bürokratie verstärkt werden.

  • Besonders der Vermittlung der Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen kommt für eine zukünftige, selbstbestimmte Lebensgestaltung der Kinder eine zentrale Rolle zu. Diese Kernkompetenzen sind gerade auch für die berufliche Bildung besonders wichtig. Wissenschaftlich fragwürdige Experimente zulasten vieler Kinder wie „Lesen durch Schreiben“ lehnen wir ab.
  • Schulen in freier Trägerschaft bereichern unser vielfältiges Schulsystem und stärken Wahlmöglichkeiten für Eltern. Die Politik rot-grüner Nadelstiche gegen diese Schulen wollen wir beenden.
  • Wir schlagen vor, in der Sekundarstufe I ein Schulfach „Politik, Wirtschaft, Recht“ einzuführen. Junge Menschen benötigen im Alltag sowie in jeder beruflichen Tätigkeit ökonomische Grundkenntnisse. In diesem ordentlichen Unterrichtsfach sollen u. a. auch Verbraucherkenntnisse vermittelt werden.
  • Wir unterstützen die vielfältigen Angebote des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts. Darüber hinaus müssen gleichberechtigt auch nichtreligiöse Überzeugungen berücksichtigt werden. Daher fordern wir, dass auch an Grundschulen zwischen konfessionellen Angeboten und Ethikunterricht gewählt werden kann.
  • Berufskollegs bilden mit ihrem vielfältigen Angebot einen zentralen Pfeiler unseres Schulsystems. Neben der Möglichkeit zum Erwerb der Hochschulreife und der Förderung leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler sind Berufskollegs von zentraler Bedeutung für unser erfolgreiches duales Ausbildungssystem. Wir wollen das Schattendasein der Berufskollegs unter Rot-Grün beenden, Stellenstreichungen rückgängig machen und sie bei der Beschulung von Flüchtlingskindern sowie der Inklusion besser unterstützen. Auch die Weiterbildungskollegs als eigenständige Schulform der zweiten Chance müssen stärker gefördert werden.
  • Die Schule als Bildungszentrum kann in der Zusammenarbeit verschiedener Akteure auch wichtige Unterstützungsfunktionen übernehmen. Die Vernetzung mit Jugendhilfe-Angeboten wollen wir daher ausbauen. Kooperationen der Schulen mit den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sollen dabei gleichrangig („auf Augenhöhe“) ausgestaltet werden. 
  • Der Anspruch auf weltbeste Bildung gilt auch für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Das Ziel, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf weitgehend in Regelschulen zu integrieren, ist richtig. Das radikale Verständnis einer kompromisslosen „Inklusion“, wie es die rotgrüne Landesregierung betreibt, nimmt aber auf den Förderbedarf jedes einzelnen Kindes zu wenig Rücksicht. Das Wohl des Kindes muss im Mittelpunkt stehen – auf das einzelne Kind kommt es an. Deshalb lehnen wir die massive, zum Teil flächendeckende Schließung von Förderschulen ab. Wir missbilligen außerdem, dass die Inklusion überstürzt, ohne Qualitätsstandards und mit einer mangelnden Sachausstattung sowie fehlenden sonderpädagogischen Fachkräften umgesetzt wird. 
  • Für eine bestmögliche Gestaltung des gemeinsamen Unterrichts fordern wir verbindliche Basisstandards. Kann diesen qualitativen Standards an Schulen zum Beispiel durch fehlendes Fachpersonal oder mangelnde Ausstattung nicht entsprochen werden, dürfen dort zukünftig keine inklusiven Lerngruppen mehr gebildet werden. Gleichzeitig soll verstärkt mit Schwerpunktschulen gearbeitet werden, um sonderpädagogische Fachexpertise zu bündeln und Elternwünschen bestmöglich entsprechen zu können. Auch in Zukunft sollen den Eltern erreichbare Wahlmöglichkeiten zwischen Regelschulen und spezialisierten Förderschulen erhalten bleiben. Für Eltern muss zukünftig eine unabhängige Beratung gewährleistet werden. 
  • Die bestmögliche Förderung leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler ist ein zentrales Anliegen unserer Bildungspolitik. In gleichem Maße soll die Schule aber auch besonders begabte Kinder fördern und diesen einen auf sie zugeschnittenen individuellen Bildungsweg ermöglichen. Hierzu zählt eine gezielte personelle Unterstützung bei der Förderung und Forderung begabter und hochbegabter Schülerinnen und Schüler ebenso wie die Stärkung diagnostischer Kompetenzen der Lehrkräfte. Trotz aller bisherigen Bemühungen der Lehrerinnen und Lehrer hat sich die individuelle Förderung bisher nicht flächendeckend in den Schulen durchsetzen können. Es ist daher auch unser Ziel, neben verstärkter Fortbildung an mindestens zwei Universitäten in Nordrhein-Westfalen nach dem Vorbild anderer europäischer Länder einen Masterstudiengang zu etablieren, in dem begleitend zum fachbezogenen Lehramtsstudium ein Schwerpunkt auf die Begabungs- und Hochbegabtenförderung gelegt wird.
  • Bei dem zentralen Anspruch für eine Wissensgesellschaft kommt neben der schulischen Bildung auch unserer Weiterbildungslandschaft eine bedeutsame Rolle zu. Hier leisten die Träger eine herausragende Arbeit – ob z.B. beim Kampf gegen Analphabetismus, bei der kulturellen oder politischen Bildung oder aber auch bei der beruflichen Weiterbildung. Die gemeinwohlorientierte Weiterbildung muss sich an alle Menschen richten, um Defizite abzubauen, aber auch um Stärken zu stärken. Wir wollen die Weiterbildung bei den Chancen der Digitalisierung bestmöglich unterstützen. Auch benötigt die Weiterbildungslandschaft mehr Beistand, zum Beispiel bei der Flüchtlingsintegration oder dem Nachholen von Schulabschlüssen. Weiterbildungseinrichtungen müssen stärker in regionale Bildungslandschaften eingebunden werden, weil sie mit ihrer Kompetenz und Vernetzung eine bedeutende Rolle als regionales Kraftzentrum wahrnehmen können. Für die Weiterbildungslandschaft muss eine verlässliche Förderung gewährleistet werden.

 

Ausbildung

 

Wir wollen erreichen, dass jedem der Einstieg in Ausbildung und Arbeit gelingt. Noch immer finden in einigen Regionen des Landes tausende Jugendliche im Jahr keinen Ausbildungsplatz und werden beruflich abgehängt. Das darf so nicht bleiben. Wir müssen dafür sorgen, dass auch die schwächeren Schülerinnen und Schüler bereits in der Schule das Rüstzeug für eine berufliche Ausbildung erlernen und die Mobilität der Auszubildenden zunimmt. Schulisch schwächere Jugendliche sollen aber auch während der Berufsausbildung besser unterstützt werden.

 

Die duale Ausbildung soll auch für Jugendliche mit höheren Bildungsabschlüssen attraktiver werden. Dazu gehört, dass die Berufsausbildung mit anschließender Fort- und Weiterbildung als gleichwertige Säule neben der akademischen Ausbildung gestärkt wird. So schaffen wir auch wieder mehr Anerkennung für das erfolgreiche deutsche Ausbildungsmodell, um das uns die Welt beneidet. Diesem verdanken wir nicht zuletzt eine der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union. 

 

  • Die berufliche Ausbildung muss schon bei der Berufsorientierung in der Schule eine zentrale Rolle spielen. Bei der Berufsinformation sollen nicht nur Studienfächer, sondern gleichwertig auch stets konkrete Ausbildungsgänge vorgeschlagen werden. Um dies umzusetzen, sind dauerhaft funktionierende Netzwerke zu etablieren: Denn eine erfolgreiche Bildungs- und Berufsberatung braucht Kompetenzen aus Unternehmen, Verbänden, Arbeitsagenturen und Schulen. 
  • Nach dem Vorbild der Schweiz wollen wir als Angebot ein Berufsabitur erproben: Durch die Verknüpfung des Abiturs mit einer Berufsausbildung können wir mehr Jugendliche für eine duale Ausbildung in Handwerk, Industrie und Mittelstand gewinnen.
  • Die hohe Qualität der Berufsschulen (duales System der Berufsausbildung) und der weiteren vielfältigen Angebote der Berufskollegs wie z. B. Berufliche Gymnasien und Berufsfachschulen gilt es zu erhalten und zu stärken. Dafür müssen überbordende bürokratische Aufgaben verringert, Bildungsgänge zielgerichtet weiterentwickelt und neue Berufsbilder etabliert werden.
  • Die Chancen der Digitalisierung müssen auch in der berufsschulischen Ausbildung stärker genutzt werden. Hierzu gehören eine moderne IT-Ausstattung sowie die Qualifikation und Unterstützung der Lehrkräfte. 
  • Wir wollen mehr Eigenverantwortung für die Schulen durchsetzen, auch für die Berufskollegs. Wir regen deshalb an, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern sowie Innungen zu ermöglichen, die Trägerschaft von Berufskollegs zu übernehmen.
  • Jugendliche mit schulischen und ausbildungsbezogenen Defiziten sollen besser unterstützt werden. Dazu können z. B. mehr „assistierte Ausbildungen“ und zertifizierte Teilqualifikationen beitragen. Betriebe sollen gefördert werden, wenn sie Jugendlichen mit Defiziten einen Ausbildungsplatz anbieten. So können diese Betriebe Unterstützung von Ausbildungshelfern erhalten, die neben dem Betrieb und der Berufsschule eine individuelle Förderung gewährleisten.
  • Wir wollen für mehr Berufsbilder zweijährige Ausbildungsabschlüsse schaffen, die auf eine spezialisierte dreijährige Ausbildung anrechenbar sind. So wollen wir Chancen zum Erwerb von zertifizierten Qualifikationen auch für diejenigen bieten, die mit einer vollständigen dreijährigen Ausbildung zunächst noch überfordert sind.
  • Wir setzen uns für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ein. Denn der Gesellen- und Meisterbrief sind Ausweis von Qualität, Qualifikation und Exzellenz. Dazu gehört, dass Bund und Länder neben dem Hochschulpakt, dem Pakt für Forschung und Innovation und der Exzellenzstrategie für universitäre Spitzenforschung auch einen Pakt für berufliche Bildung ins Leben rufen, der dieses Ziel auf ein gesichertes Fundament stellt. Bestandteil davon muss auch die Vereinheitlichung der Anerkennung von Abschlüssen der beruflichen Bildung auf Studienleistungen sein. Es darf keinen Unterschied ausmachen, wo in NRW ein bestimmter Abschluss erworben wurde.
  • Auch bei der Unterbringung junger Menschen am Ausbildungs- oder Studienort soll die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung stärker berücksichtigt werden. Analog zur öffentlichen Förderung etwa von Studentenwohnheimen sollte deshalb die wohnortferne Unterbringung von Auszubildenden ebenfalls unterstützt werden. Als Alternative zur früher geleisteten direkten Förderung der Jugendlichen wäre dabei nach dem Vorbild der Studierendenwerke die Schaffung von Auszubildendenwerken in Zusammenarbeit etwa mit den Handwerks- sowie den Industrie- und Handelskammern denkbar.
  • Die Meisterqualifizierung sollte aufgewertet werden, z. B. durch doppelqualifizierende duale Bachelorstudiengänge, die mit einem Bachelor und einem Meisterbrief abschließen. 
  • Neben Studierenden sollten auch Auszubildende von Erfahrungen in anderen Ländern profitieren und sich auf den internationalen Arbeitsmarkt vorbereiten können. Dazu sollen die EUAustauschprogramme wie Erasmus+ verstärkt auf Auszubildende ausgerichtet werden. Auch innerhalb Deutschlands sollte die Mobilität gefördert werden, um Bewerber und offene Ausbildungsplätze besser zusammenzubringen, etwa durch überregionale Ausbildungsplatzbörsen und eine Anpassung der Fördermöglichkeiten der Berufsausbildungsbeihilfe.
  • Eine Ausbildungsplatzabgabe lehnen wir ab. Wir wollen die Belastung der Betriebe durch immer neue Abgaben und zusätzliche Bürokratie reduzieren. 

 

Hochschule

 

Studentinnen und Studenten sollen an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen exzellente Studienbedingungen vorfinden. Die Hochschulen in unserem Land sollen an die akademische Qualität der besten Hochschulen in der Welt heranrücken. Neue Ideen, weltverändernde Entdeckungen und revolutionäre Erfindungen und Modelle entstehen nur dort, wo talentierte Köpfe frei denken können und darin bestärkt werden, ungewöhnliche Wege einzuschlagen statt ausgetretenen Pfaden zu folgen.

 

Beste Lernbedingungen für Studierende verlangen eine Abkehr von Massenvorlesungen in überfüllten Hörsälen und vergriffenen Fachbüchern in den Bibliotheken. Für ein erfolgreiches Studium müssen Studierende praktische Einblicke in Forschung und Anwendung bekommen, aber auch individuelle Betreuung und Kritik erfahren, um nicht nur Scheine zu sammeln, sondern Fortschritte zu machen. Unsere Hochschulen brauchen außerdem wieder mehr Freiheit, bessere Rahmenbedingungen und eine verlässliche auskömmliche Finanzierung, damit sie für Spitzenforscher und akademische Lehrer aus der ganzen Welt an Attraktivität gewinnen. 

 

  • Die Hochschulen sollen wieder mehr Autonomie und mehr Gestaltungsfreiheiten erhalten. Die Beschlüsse von SPD und Grüne, Hochschulen wieder stärker zentral durch das Wissenschaftsministerium zu führen, lehnen wir ab. Hochschulen sollen ohne Gängelung eigene Profile bilden, die Personalhoheit haben, Drittmittel einwerben und mit Partnern aus der Wirtschaft kooperieren dürfen. Wir wollen das Hochschulfreiheitsgesetz, das in den Hochschulen enorme Kreativität und produktive Energie freigesetzt hat, wieder in Kraft setzen und weiterentwickeln
  • Wir möchten erreichen, dass die Studienbedingungen für jeden einzelnen besser werden. Voraussetzung ist, dass die sächliche und personelle Ausstattung der Hochschulen einen Qualitätssprung erfährt. Die Hochschulen sollen in die Lage versetzt werden, in eigener Verantwortung die Studienbedingungen bezüglich akademischer Betreuungsrelation und die Ausstattung der Bibliotheken und Labore zu verbessern. Hierzu sind die Mittel des Hochschulpaktes treffsicher und zeitnah einzusetzen. 
  • Durch die Verbesserung der Studienbedingungen während des Studiums sowie durch zusätzliche Informationsangebote in der Studieneingangsphase soll auch die relativ hohe Abbrecherquote an den nordrhein-westfälischen Hochschulen gesenkt werden.  
  • Unsere Hochschulen sollen gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden die modernen Methoden digitaler Wissensvermittlung in der akademischen Lehre einbinden und die darin liegenden Chancen zur Internationalisierung, Individualisierung und Flexibilisierung stärker nutzen können.

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